Fehlt uns Nähe – oder die Orte dafür, Nina Goldman?
Shownotes
Für weniger Self-Checkout Kassen und mehr synchrones, gemeinschaftliches Fernsehen. Zurück zum Tatort gucken am Sonntagabend mit Freunden und Familie. Viele Entwicklungen in den gesellschaftlichen und auch wirtschaftlichen Kontexten wirken sich auf unsere Einsamkeitsgefühle aus, findet meine Gästin in dieser Folge von I feel you.
Nina Goldman, Humangeografin, sagt, die sozialen Begegnungsorte verschwinden und wir müssen sie bewusster aufsuchen, um mit unserer Umwelt in Kontakt zu bleiben. Dazu kommt, dass viele dieser Begegnungsorte sind zusätzlich an Konsum gebunden. Die Verbundenheit muss selbst organisiert werden.
Deshalb ist Einsamkeit eben nicht nur eine persönliche Herausforderung, sondern eine ebensolche für die Gesellschaft. Damit liegt die Verantwortung sowohl bei den Einzelpersonen, als auch bei der Politik und der Zivilgesellschaft sowie den Gemeinden und auf der kommunalen Ebene. Es geht ums persönliche Abendessen und um den öffentlichen Raum.
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00:00:05: Hallo ihr Lieben.
00:00:21: Herzlich willkommen zu einer neuen Folge von I Feel You, dem Psychologie Podcast des Reflabs.
00:00:28: Mein Name ist Jana Horstmann.
00:00:30: Ich bin Theologin und Pfarrerin, aber manchmal wünsche ich mir, ich hätte Psychologie studiert statt Theologie.
00:00:39: Weil das so ist, rede ich in meinem Podcast mit Menschen, die sich auskennen, über große Themen und große Gefühle, für ein bisschen mehr Verständnis für uns selbst und für einander, weil das Leben kompliziert genug ist.
00:00:56: In meiner neuen Staffel von I Feel You geht es um das Thema Einsamkeit.
00:01:02: Und heute rede ich mit einer Frau, die sich besonders mit den räumlichen Aspekten von Einsamkeit beschäftigt.
00:01:10: Das klingt vielleicht erstmal etwas abstrakt, aber bei näherem Hinsehen bzw.
00:01:16: Hinhören werdet ihr feststellen, dass es um sehr wichtige gesellschaftliche Aspekte geht.
00:01:24: Welche Rolle nimmt zum Beispiel die Gestaltung von öffentlichem Raum ein?
00:01:29: Was braucht es, dass sich einzelne Menschen, Menschen, die alleine unterwegs sind, in einem Park oder in einer Fußgängerzone oder auch alleine in einem Restaurant überhaupt wohlfühlen?
00:01:41: PhD.
00:01:42: Nina Goldmann ist Humangeographin und forscht international in Manchester, Großbritannien oder jetzt in Dänemark zum Thema Einsamkeit.
00:01:52: Sie beschäftigt sich unter anderem mit der Frage, wie sich eine städtische Umwelt auf das Wohlbefinden und die Gesundheit ihrer Bewohner auswirken kann.
00:02:02: Ihr aktuelles Leidenschaftsprojekt, so schreibt sie selbst, heißt Potenzial der Gemeinschaft freisetzen.
00:02:09: Eine Studie mit gemischten Methoden zwischen Großbritannien und Dänemark zur Verbesserung von Einsamkeitsinterventionen im gesamten Lebensverlauf.
00:02:20: Es war ein unglaublich inspirierendes und schönes Gespräch.
00:02:24: Ich wünsche euch ganz, ganz viel Spaß beim Zuhören und lasst euch von Nina's Enthusiasmus inspirieren.
00:02:33: Ganz viel Spaß.
00:02:38: Hallo, liebe Nina.
00:02:39: Ich freue mich, dass du da bist.
00:02:41: Sehr, sehr schön, dass wir heute miteinander reden können.
00:02:45: Vielen Dank für die Einladung.
00:02:46: Ich bin ganz gespannt.
00:02:48: Ich starte in meinen Folgen ja immer mit der Frage, wie es meinen Gästinnen geht.
00:02:53: Also in diesem Sinne auch an dich die Frage, wie geht es dir gerade?
00:02:57: Wie fühlst du dich?
00:02:59: Ein bisschen müde heute.
00:03:02: Mich hatte eine sehr emotionale Woche letzte Woche.
00:03:05: Ich bin im April nach Dänemark gezogen und ja, da war sein Auf- und Ab von den Gefühlen an einem neuen Ort erstmal ankommen.
00:03:17: dann neuen Job, neues Umfeld.
00:03:19: Das erste Mal lebe ich in einem Land, in dessen Sprache ich mich noch nicht bewegen kann.
00:03:27: Ja, das bringt ganz neue Herausforderungen mit sich, aber ist vielleicht eine gute Erinnerung, wie es doch sehr vielen Menschen geht,
00:03:36: die
00:03:38: umherziehen und ihre Gewaltes zu Hause verlassen.
00:03:44: Genau.
00:03:45: Somit lebe ich eigentlich, was ich erforsche.
00:03:50: Ja,
00:03:50: es ist noch
00:03:51: spannend, es selbst so zu erleben.
00:03:55: Ich erzähle auch mal ganz kurz, wie es mir geht.
00:03:59: Ich habe es momentan auch emotional auf jeden Fall einfach viel.
00:04:03: Es ist gerade viel los und viel in Bewegung, sowohl auf der Arbeit als auch irgendwie so innerlich und genau bin gerade immer sehr darauf bedacht, dass ich irgendwie so meine Pausenzeiten habe, zwischendurch um alles, was gerade so ist, gut verarbeiten zu können und irgendwie nicht das Gefühl zu haben so so viel Leben.
00:04:27: Wir starten ja immer mit drei Fragen, die ich allen meinen Gästen zu dem Thema stelle.
00:04:34: Also diesmal zum Thema Einsamkeit.
00:04:36: Und das würde ich jetzt auch einfach mal natürlich mit dir machen und du antwortest einfach genau, was dir so in den Sinn kommt.
00:04:45: Die erste Frage.
00:04:48: Wie fühlt sich Einsamkeit an?
00:04:53: Leine gelassen, würde ich sagen so.
00:04:59: Eine tiefe Traurigkeit, dass man vielleicht nichts bedeutet.
00:05:12: Und in welchen Momenten fühlen Sie sich einsam oder fühlst du dich einsam?
00:05:20: Ich habe vielleicht das Glück, dass ich mich nicht oft einsam fühle.
00:05:24: Für mich ist es oft situationsbedingt.
00:05:29: Gerade wenn ich, bevor ich nach Dänemark gezogen bin, war ich zwei Jahre in Manchester.
00:05:36: Da habe ich alleine gelebt und ich habe da gemerkt, wenn man alleine lebt, es gibt viele tolle Dinge am alleine leben, aber man muss sich das soziale, muss man sich organisieren.
00:05:50: Und wenn man das nicht macht, dann ist man einfach alleine.
00:05:54: Und da habe ich schon oft ein bisschen damit gehadert, weil Ich wollte was machen, aber irgendwie, man ist da neu, man kennt noch nicht so viele Leute oder die, die man anfragt, die haben dann irgendwas anderes oder sind nicht so verbindlich.
00:06:08: Und dann fühlt man sich ganz schnell doch einsam.
00:06:13: Es geht dann aber oft bei mir.
00:06:16: zum Glück, kenne ich mich in der Literatur ein bisschen aus
00:06:19: und
00:06:20: das hilft vielleicht ein bisschen mit dem Verständnis und man kann sich es... Also jetzt bei mir, ich konnte mich da wie fast wieder ausreden.
00:06:30: Also ich konnte mir sagen, beruhig dich mal, du bist neu an einem Ort.
00:06:34: Natürlich kennst du noch nicht so viele Personen, dass wir dann schon kommen und vielleicht ist heute einfach ein Tag, den du mit dir selbst oder ein Abend, den du mit dir selbst verbringen kannst und das auch mal genießen.
00:06:51: Also du hast dich quasi selber in dem Sinne so ein bisschen... Ja, diese Gefühle, die vielleicht auch kommen, dich selber so ein bisschen reguliert.
00:06:58: Dadurch, dass du dich natürlich auch beruflich sehr viel mit dem Thema beschäftigst, konntest du dich selber regulieren und konntest das quasi für dich einordnen auch ein Stück weit.
00:07:07: Genau, aber ich glaube, es kommt eben auch total drauf an, wieso man einsam ist.
00:07:11: Bei mir waren es die Umstände und ich wusste, dass sich die Umstände ändern werden.
00:07:17: Und weil ich oder zu vielleicht auch das Vertrauen in mich selbst habe oder hatte, dass ich wieder neue Sozialkontakte knüpfen kann.
00:07:26: Auch wenn das total viel Energie braucht, gibt das mir dann irgendwie die Gelassenheit, damit umzugehen.
00:07:36: Aber das heißt nicht nur, wenn man viel über ein Thema weiß, kann man das auch immer gut anwenden.
00:07:41: Aber das ist ja immer mit den Ratschlägen.
00:07:43: Man kann alle gut Ratschläge geben, aber selbst diese dann umzusetzen ist doch sehr viel schwieriger.
00:07:49: Gerade weil es auch so eine starke Emotion ist.
00:07:55: Ich habe noch eine dritte Frage, die dann quasi gleich wieder, wo wir dann wieder bei den Ratschlägen wären.
00:08:00: Was hilft gegen Einsamkeit?
00:08:01: oder auch was hilft dir persönlich gegen Einsamkeit?
00:08:04: Da hast du jetzt die Freiheit, ob du direkt grundsätzlich oder in Bezug auf dich antworten möchtest.
00:08:14: Ich höre mich als extrovertierte Person bezeichnet, extrovertiert im Sinne von, ich bekomme ganz viel Energie von Leuten.
00:08:24: Und ich brauche das so ein bisschen, um Menschen zu sein.
00:08:28: Und das hilft mir wahnsinnig, diesen Gefühl entgegenzuwirken.
00:08:35: Jetzt, wenn ich aber in einer Personengruppe bin, in der ich mich nicht wohl fühle oder vielleicht nicht willkommen fühle, dann fühlt man sich ganz schnell richtig einsam.
00:08:47: Darum ist es echt schwierig zu sagen.
00:08:49: Ich würde sagen, bei mir ist es hauptsächlich... situationsbedingt und dann kann ich mir selbst komme ich da oft selbst wieder raus.
00:09:00: entweder schlafe ich darüber oder ich kann mir dann ausreden die dinge werden sich verändern oder es gibt mir genau diesen antrieb jemandem telefon zu nehmen und jemandem anzurufen mit dem ich schon lange lange nicht mehr gesprochen habe.
00:09:15: und das sind eigentlich genau dieser evolutionäre Trieb eigentlich des Einsamseins, eigentlich ein Signal, dass etwas nicht stimmt und dass man wieder den Sozialkontakt sucht.
00:09:32: Also das ist eigentlich, sollte es so funktionieren wie Hunger oder Durst.
00:09:37: Wenn ich durchsig bin.
00:09:39: So ein Bedürfnis ist, was einfach so, wo auch der Körper oder irgendwann ja signalisiert wird, hey, du warst jetzt lange alleine, jetzt gehen wir wieder in den Kontaktsucht, such dir Austausch.
00:09:50: Genau.
00:09:53: Das Problem ist aber natürlich, wenn man dann zu lange das Gefühl hat, wenn man dann genau wieder das Gefühl hat, man hat es vielleicht probiert, irgendwie unter Menschen zu sein oder neue Kontakte zu knüpfen.
00:10:07: Inge hat das aber nicht geklappt oder man fühlt sich nicht so wohl.
00:10:12: Und dann kann das so ganz schnell in eine Negativspirale münden, in der man so fast eine Sozialpopulie dann entwickelt, in der man sich genau nicht in solche Situationen begeben möchte.
00:10:22: weil die einem schlecht fühlen lassen.
00:10:25: Und da ist es dann ganz schwierig rauszukommen und da habe ich auch keinen großen Rath.
00:10:32: Das ist schwierig, aber ich würde sagen nicht unlösbar.
00:10:41: Du hast das gerade eben schon so ein bisschen angetiesert, diese Negativspirale, in die man geraten kann, also diese... sehr individuelle Ebene, auf der man irgendwie die Einsamkeit oder die tiefe Traurigkeit, wie du das Gefühl auch beschrieben hast, irgendwie empfindet, wo dann ja auch häufig ganz viele andere unangenehme Gefühle dazukommen.
00:11:01: Also Scham, weil man vielleicht irgendwie sich nicht mehr unter Menschen traut oder eben auch Angst, Sozialphobie, wie du gesagt hast.
00:11:10: Also dieser Aspekt, dass vielleicht auch je länger man alleine ist oder für sich ist, desto schwieriger ist es vielleicht auch für einige Menschen, dann wieder in die Begegnung zu kommen, in die Resonanzräume auch ein Stück weit zu kommen oder in die Momente zu kommen, wo man vielleicht auch einfach ganz, ganz informell beim, ihr habt beim Bäcker oder wo auch immer in so kleine soziale Begegnungen, in kleine Beziehungen tritt, die ja manchmal auch schon helfen können.
00:11:41: Ich habe mir die Frage gestellt in der Vorbereitung auf unser Gespräch.
00:11:44: Auch sind wir an unserer Einsamkeit ein Stück weit selbst schuld in dieser Spirale?
00:11:51: Oder bei wem liegt eigentlich die Verantwortung für die Einsamkeit?
00:11:58: Bei allen.
00:11:59: Also das Problem ist, ich fange nicht gerne mit dem Individuum an, weil das individualisiert das Problem so stark.
00:12:07: Total, aber die Gefühle sind halt häufig bei dem Individuum dann.
00:12:11: Genau,
00:12:11: genau.
00:12:12: Aber der Punkt ist ja, wodurch werden die ausgelöst?
00:12:16: Ist es die Reaktion von anderen Menschen auf mich?
00:12:21: Dann ist es wahrscheinlich etwas, was Ehre mit gesellschaftlichen Werten oder Normen zu tun hat oder gewisse Verhaltensweisen, die als korrekt oder nicht korrekt empfunden werden.
00:12:37: Es kann natürlich auch eine Eigenkomponente haben, mich wieder nicht sagen, dass das Individuum gar nichts dafür tun kann, aber ich würde doch sagen, es ist eine große Mischrechnung.
00:12:48: Einerseits mit mir selbst, auch selbst muss ich ja irgendwie den Mut haben, vielleicht wieder nach außen zu treten, aber je nach Umfeld wird mir das halt vereinfacht oder erschwert.
00:13:02: Es kommt auch darauf an, wo ich lebe.
00:13:06: Lebe ich alleine in der Stadt.
00:13:11: Das ist ein total anderes Gefühl wie alleine auf dem Land.
00:13:16: Mit einem Partner, einer Partnerin in einer guten Beziehung, ist das ein anderes Gefühl wie mit einem Partner oder Partnerin in einer schlechten Beziehung.
00:13:25: Das Gleiche geht für Familien.
00:13:28: Da kann es ganz harmonisch sein oder ganz schwierig.
00:13:31: Es sind sehr viele Umstände.
00:13:34: die zu Einsamkeit führen können und dafür verantwortlich sind.
00:13:41: Darum würde ich auch sagen, als jemand, der vielleicht nicht so oft von Einsamkeit betroffen ist, hat man ja auch eine gewisse Verantwortung zu schauen, dass es den Mitmenschen gut geht.
00:13:54: Gerade wenn ich ein bisschen Kapazität habe, irgendwie gefühlt in den Berufsjahren.
00:14:01: Ich sage jetzt mal dreißig bis sechszig oder dreißig bis fünfzig sind gefühlt alle total absorbiert mit entweder Familie und Job oder beides.
00:14:11: Einfalls kommt dann auch pflegebedürftige Angehörige hinzu.
00:14:15: Da gibt es gefühlt in diesem Alter nicht so viel Kapazität.
00:14:22: Aber dennoch denke ich, können wir alle zu einem schönen Miteinander beitragen.
00:14:28: Es braucht oft wirklich nicht so viel.
00:14:30: Einfach ein Hallo, ein kleines Lächeln, auch auf der Straße.
00:14:34: Ich mache das total oft.
00:14:35: Oder wenn mir jemand in den Vortritt lässt, wenn ich gerade auf dem Fahrrad bin, dann schaue ich die Person an und lächle und nicke so als, ich habe dich wahrgenommen und ich danke dir so als ganz kurze nonverbale Interaktion.
00:14:49: Und ich glaube, es sind auch so diese ganz kleinen Dinge, die vielleicht jetzt Wenn man total einsam ist, da kommt man vielleicht nicht raus, aber es ist doch, im Englischen würde man sagen, every little helps.
00:15:03: Und wenn es vielleicht nicht die Einsamkeit direkt beseitigt in diesem Moment, kann es einem doch einen kurzen Augenblick, ein gutes Gefühl geben.
00:15:13: Es ist ja auch volunteering, sich für wohltätige Zwecke einzusetzen.
00:15:23: Engagieren, genau, in einem Verein tätig zu sein.
00:15:26: Das gibt anderen was, den ich mit dem Verein zu erkäufe, aber es gibt auch mir ganz viel.
00:15:34: Also das ist so ein gegenseitiges Geben und Nehmen.
00:15:43: Ja, du bist jetzt schon quasi auf die.
00:15:46: Du hast schon bisschen die gesellschaftliche Komponente angesprochen, bist aber auch beim kleinen angefangen.
00:15:53: Ich möchte noch mal kurz darauf zurück, was du auch so ein bisschen angesprochen hast, dass sich auch so gesellschaftlich natürlich Dinge verschoben haben.
00:16:06: Nicht nur die Situation, wie ich lebe zum Beispiel, ob ich jetzt, wie du sagst, alleine in der Stadt lebe oder alleine auf dem Land, sondern natürlich auch der Raum, das Land, in dem ich lebe, ob das jetzt in Europa ist oder in Amerika oder in Afrika natürlich.
00:16:30: Ich habe in einem Artikel gelesen oder in einem Artikel gab es die These, dass die häufigen Einsamkeitsgefühle ein Stück weit auch die Kehrseite sind von der gesellschaftlichen Entwicklung zum Beispiel im Westen, also dass wir uns aus so traditionelleren Familienkonzepten zum Beispiel herausentwickelt haben, dass so mehr Generationen wohnen, wie es vielleicht noch vor ein paar Jahrzehnten der Regelfall war, dass das vielleicht nicht mehr so stattfindet und die Menschen immer mehr.
00:17:03: zu Einzellern in der Stadt werden.
00:17:05: und ja, dass die Einsamkeit vielleicht auch dem so ein bisschen geschuldet ist bzw.
00:17:11: und das werden wir eh auch ansprechen müssen, wie auch der demografische Wandel, also die Menschen.
00:17:17: Wir haben immer mehr alte Menschen, denen natürlich dann auch mit der Zeit irgendwann die Bezugspersonen versterben und viele Menschen, die auch einfach im Alter sehr einsam sind.
00:17:31: Also da gibt es dann vielleicht nicht nur lebensphasenbedingte Einsamkeit, sondern auch einfach Einsamkeit, je nach Ort oder Kontext, in dem man lebt, je nach Alter sicherlich auch.
00:17:49: Ja, und vielleicht auch je nach Entwicklung der Gesellschaft, in der man sich befindet.
00:17:56: Das gibt sehr viele Dinge aufgezählt, die alle sehr spannend werden.
00:18:00: So diskutieren vielleicht zum ersten, so gesellschaftlicher Wandel, auch Punkte von Großfamilien, zu Kleinfamilien, zu vielleicht Kinderlos.
00:18:14: Das ist ja auch... muss ja nicht nur schlecht sein.
00:18:17: Es ist ja eigentlich auch eine Errungenschaft des modernen Lebens, dass man mehr Selbstbestimmung hat und auch so leben kann, wie man das möchte.
00:18:32: Vielleicht ein Trend, der mich fast mehr beschäftigt, ist die Neoliberalisierung, dass viele Teile des Lebens werden ökonomisiert oder irgendwie.
00:18:50: Ich finde das fast beängstigender, weil das nimmt Züge an, gerade auch in Amerika.
00:18:58: Da läuft es mir kalt den Rücken runter.
00:19:01: Ich denke, was das für Auswirkungen hat auf das Zusammenleben, da muss man sich nicht wundern, wenn wenn Personen keine Kinder mehr haben wollen.
00:19:11: Kannst du ein konkretes Beispiel geben für die Zuhörende?
00:19:16: Ja, also es fängt eigentlich mit der Privatisierung vieler öffentlicher Dienste an.
00:19:22: Das könnte Strom, Wasser, Versorgung, alles Mögliche.
00:19:28: Aber auch wenn wir denken, wie wir früher Medien und Filme konsumiert haben.
00:19:33: Früher haben wir alle zusammen am Fernsehgesessen zu einer bestimmten Zeit.
00:19:38: Alle haben dann halt nur pro Woche eine Folge, was auch immer wir geschaut hatten.
00:19:43: Und danach konnten wir das dann auch besprechen in der Schule, am Arbeitsplatz.
00:19:48: Und jetzt mit den ganzen Streaming Services, da muss ich extra bezahlen.
00:19:52: Das Gebührenfernse, okay, habe ich Gebühren bezahlt, aber das war nur einmal im Jahr und vielleicht auch gar nicht so viel.
00:20:00: Auf den staatlichen Sendern gab es weniger Werbung.
00:20:03: Und jetzt mit den allen Streaming Services.
00:20:06: Da laufen auch die unterschiedlichen Serien auf unterschiedlichen Plattformen.
00:20:12: Da muss ich fast für alles ein Abo lösen.
00:20:17: Ich kann dann alles ohne Unterbruch in mir reinziehen und irgendwie führt das fast, soweit dass nicht mehr alle die gleichen Serien zur gleichen Zeit schauen, sondern total Asynchron.
00:20:34: gar nicht mehr so gut unterhalten.
00:20:36: Ich habe zum Beispiel Game of Thrones in die zehn Jahre zu spät geschaut, weil ich das irgendwie verpasst habe.
00:20:42: Und dann war ich so total adibiert und wollte das diskutieren.
00:20:45: Und für alle war das A, alter Käse, konnte ich nicht mal mehr erinnern.
00:20:51: Ja, es sind einfach so die ganz kleinen Unterschiede.
00:20:54: Und das Gleiche mit Uber, so die ganzen Plattformökonomien, führen eigentlich ... zu einer Verschlimmerung der ursprünglichen Situation und wir haben nichts gewonnen.
00:21:06: Sobald über die Monopolstellung hat im Markt und es keine klassischen Taxi-Unternehmen, dann wird es einfach teurer und dann hätten wir auch ein Leichen beim Taxi bleiben können.
00:21:18: Die Personen versichert Senos Auto.
00:21:20: Also ja, jetzt habe ich ein bisschen ausgeholt.
00:21:22: Und es wird ja immer so ganz kurz noch um darauf zu reagieren und dann kannst du gerne weitermachen.
00:21:27: Und es wird ja immer so unter der Tarnkappe der Individualisierung.
00:21:31: irgendwie schön geredet.
00:21:32: Also auch bei, wenn wir jetzt von den Streaming-Anbietern ausgehen, dann irgendwie das, bei Netflix hast du ein Account, aber du hast mehrere Profile.
00:21:41: Und wenn ich quasi auf meinem Profil wird mir schon angezeigt, was nur ich schaue und andere Leute haben, dann keine Ahnung, mein Partner hat dann auch sein Profil über mein Account.
00:21:52: Und dadurch, wie du sagst, gucken wir aber nicht mehr dasselbe, sondern jeder kriegt auch nur noch angezeigt, was für ihn oder für sie persönlich passend ist.
00:22:01: Und wenn man über Dinge reden möchte oder sagen möchte, hey, wir gucken irgendwas zusammen, dann muss man sich explizit dafür verabreden.
00:22:08: Und das wird, finde ich, immer so unter dieser Individualisierung immer für dich zugeschnitten wird.
00:22:13: Das ist so ein bisschen die Tarnkappe dafür, das letzten Endes, aber das irgendwie auch dazu führt, dass wir weniger... über bestimmte Themen einen Austausch kommen und weniger über bestimmte Dinge miteinander auch reden.
00:22:27: Ja, und ich finde, was eben auch in diese Thematik reinpasst, ist diese... Es gibt weniger Orte, wo das Zusammentreffen von unterschiedlichsten Personen zufällig noch gibt.
00:22:41: Also diese automatische Sozialisierung, oder... Sozialisierung ist das falsche Wort, aber... Ja, dieses automatische sich begegnen, eben diese Begegnungszone.
00:22:56: Wo gibt es das noch?
00:22:57: Wenn wir alles online bestellen, dann ist es zwar praktisch für mich als Individuum, aber irgendwie fehlt so dann der soziale Austausch.
00:23:06: Ich finde auch die Self-Checkouts im Supermarkt ganz schrecklich aus dem genau selben Grund.
00:23:13: Und dann ist es nicht mal günstiger, wenn ich das selbst noch mache, sondern ich bezahle noch mit meiner extra Zeit.
00:23:20: Und ich finde es total schön.
00:23:22: Vielleicht bin ich da so ein bisschen altmodisch.
00:23:25: Ich bin ja nur dreiunddreißig, noch nicht so alt.
00:23:29: Aber ich mag das, wenn ich begrüßt werde an der Kasse.
00:23:32: Auch wenn es nur ein paar Sekunden sind, aber jemand schaut mich an und anerkennt meine Existenz in diesem Moment.
00:23:42: Und dann fühle ich mich in diesem Moment gesehen.
00:23:45: Wenn gerade nicht viel los ist, dann kann man auch ganz kurz ein bisschen schwarzen.
00:23:49: Und so dieser ungezwungene, spontane Austausch.
00:23:54: Ja, ich glaube das, das verändert sich auch ein bisschen über Zeit.
00:23:58: Und das führt halt auch nicht gerade dazu, dass man sich irgendwie verbunden fühlt in einer Gesellschaft.
00:24:04: Das muss man sich mittlerweile fast alles organisieren und das ist dann anstrengend.
00:24:09: Das moderne Leben ist eh schon anstrengend.
00:24:12: Niemand hat mehr ein fixen Beruf.
00:24:14: Alles ist nur irgendwie auf Abruf und befristete Stellen.
00:24:18: Wenn man Glück hat, dann kriegt man was Befristetes, was Unbefristetes.
00:24:23: Und ja, man wohnt auch nur oder man hat vielleicht nur eine Kernfamilie und die Eltern und dann vielleicht weg.
00:24:32: Dann ist man da auch schon sehr viel mehr eingebunden.
00:24:36: dass das früher war.
00:24:37: Ich habe auch das Gefühl, Kindererziehung ging früher ein bisschen organischer.
00:24:44: Es sind so ganz viele kleine Dinge, die vielleicht als Einzelnes nicht der ausschlaggebende Faktor sind.
00:24:52: Aber in der Summe macht das doch etwas mit uns.
00:24:55: Da bin ich überzeugt.
00:24:56: Es hat sehr schwierig mit Daten so festzumachen, da muss man irgendwelche Großtheorien entwickeln.
00:25:04: Aber doch, ich glaube, Es gibt viele Dinge, die besser sein könnten.
00:25:10: Einige Dinge sind auch besser.
00:25:12: Früher war da auch nicht total kulturpäsimistisch sein.
00:25:18: Du hast es eben schon angesprochen, dass
00:25:19: du
00:25:21: diese kleinen Begegnungen an der Kasse oder einfach dieses ... Wenn du jemandem entgegenkommst auf der Straße und dir wird signalisiert, ach die Person sieht dich, sei es beim Fußgängerübergang oder jemand lässt einen vor im Zug oder wo auch immer.
00:25:38: Das sind ja so kleine soziale, ich finde jetzt mal so informelle Beziehungen oder kleine informelle Begegnungen.
00:25:46: Und du hast schon angesprochen, dass wir ein Stück weit, die vielleicht auch verlernt haben zu haben beziehungsweise auch... Das ist auch ein großes Fass, das müssen wir nicht aufmachen, aber auch im Zuge der Digitalisierung vielleicht auch immer weniger von diesen kleinen Begegnungen haben.
00:26:05: Und gleichzeitig ist es ja auch so, dass diese Begegnungen irgendwie stattfinden müssen in dem öffentlichen Raum.
00:26:15: Und in meiner Wahrnehmung auch so diese Räume für diese Begegnung im öffentlichen gefühlt immer weniger werden.
00:26:21: Also wie du sagst, die Self-Check-Out-Kassen, also ich muss immer weniger Begegnung im öffentlichen Raum mit anderen Menschen haben, wenn ich das nicht will, sind ja auch ein Stück weit bewusste Entscheidungen.
00:26:36: Also die Plätze oder die Flächen oder die Räume oder die Orte, wo ich anderen Menschen informell einfach begegne und den gegenüber bin und mich mit anderen Menschen auseinandersetzen muss, die werden immer weniger.
00:26:49: Das ist immer, ja, in meiner Wahrnehmung her muss ich mich da immer bewusst hinbegeben oder bewusst, die nicht self-checkout Kasse wählen oder mich bewusst in ein Kaffee setzen und mir vielleicht nicht direkt mein Handy oder mein Laptop vor die Nase halten, um vielleicht auch in einem Kaffee überhaupt zum Beispiel noch solche Begegnungen zu haben.
00:27:11: Wie siehst du das?
00:27:13: Ja, sehe ich ähnlich.
00:27:14: Die Frage ist ja auch immer wieso sind diese ganzen Orte verschwunden, ist ja oft wieder zum Neoliberalismus zu kommen?
00:27:21: oder irgendwie ist es immer an Geld gekoppelt.
00:27:25: Das Versprechen der Self-Check-Houts war wahrscheinlich auch, ihr könnt so und so viele Mitarbeiter sparen, ist vielleicht praktisch, wenn man keine Mitarbeiterinnen findet.
00:27:36: Ja, das ist eine andere Diskussion.
00:27:37: Aber vielleicht auch zum... zur Verfügbarkeit dieser Begegnungsorte.
00:27:45: Ich denke auch immer, ich habe lange Zeit in Basel gelebt.
00:27:49: Wo gehe ich da hin, wenn ich jemanden treffen möchte und es regnet, aber ich kein Geld ausgeben möchte?
00:27:58: Da muss ich mich echt hieren.
00:28:01: Da muss ich fast für jemandem nach Hause.
00:28:04: Vielleicht könnte ich noch in der Markthalle, wenn das offen ist, aber da darf man keinen Picnic mitnehmen.
00:28:08: Also da kann ich vielleicht einfach so lange sitzen, bis ich turstig werde.
00:28:14: Vielleicht ein Quartierstreffpunkt ist noch so ein All, den muss man aber kennen und wissen, wann der offen ist.
00:28:21: Da ist dann auch nicht unbedingt immer offen.
00:28:24: Ja, da gibt es echt nicht viel, was zugänglich ist, freizugänglich ist, was nicht irgendwie an Konsum gebunden ist.
00:28:35: Und das finde ich total schade.
00:28:37: Gerade auch die Bibliothek wäre vielleicht eines der wenigen Orte eigentlich, die GGG.
00:28:43: Und in England merken sie auch ganz stark, wie das Papsterben vorantritt.
00:28:50: Also das Pap ist eigentlich eine Bar oder eine Bytes, müsste man sagen.
00:28:56: Der genauso als Quartiersankerpunkt ist häufig für Männer, aber doch auch für am Nachmittag, für Familien.
00:29:05: da war, dass Bier oder was immer man konsumiert hat, war relativ günstig.
00:29:10: Und mittlerweile sind auch die Preise so gestiegen, dass sich viele Leute das auch nicht mehr leisten können, auswärts dann ein Bier zu trinken, wenn es dann plötzlich sieben Pfund ist.
00:29:20: Das sind ja schon fast Schweizer Preise eigentlich.
00:29:25: Ja, und da ist es echt schwierig.
00:29:29: Ja, wie kann man dem irgendwie begegnen?
00:29:31: Oder wie kann man vielleicht auch als Stadt Räume schaffen für seine Anbohnerinnen, indem sie sich begegnen können.
00:29:45: Und wo sie sich halt auch trotzdem wohlfühlen.
00:29:47: Also wo nicht nur Begegnungsorte, sondern das müssen ja auch Orte sein, indem man sich dann wohlfühlt, wo man dann auch gerne hingeht.
00:29:57: Nur weil ich da Menschen begegnen kann, heißt das noch nicht, dass ich da auch dann gerne bin.
00:30:03: ist der Ort zu weit entfernt, vielleicht was auch immer.
00:30:08: Oder Akustik ist irgendwie blöd, oder das Licht ist zu grell, oder total nervige, laute Musik.
00:30:16: Das spielt sehr viel mit rein.
00:30:23: Wie sieht ein Quartier oder eine Gemeinde oder einen Raum aus, der irgendwie Ich habe geschrieben, Einsamkeit freundlich gestaltet ist, aber vielleicht kann man es einfach auch equivalent dazu sagen, Menschen freundlich gestaltet ist.
00:30:38: Weil wie du gesagt hast, es gibt wenige von diesen öffentlichen Räumen, wo man nichts konsumieren muss, wo ich, wenn ich kein Geld habe, trotzdem hingehen kann, wo es überdacht ist, wo man vielleicht auch irgendwie picknicken kann, wenn es nicht gerade in Park ist.
00:30:55: Stellen sich Gemeinden solche Fragen, geht es dann nur um Räume oder geht es auch um Strukturen vielleicht, die man schaffen muss für Menschen?
00:31:04: Also wie, genau, was würdest du sagen, wie sieht ein Quartier oder eine Gemeinde aus, die einsamkeitsfreundlich gestaltet ist?
00:31:13: Es ist eine große Frage und eine, die wir tatsächlich im Moment versuchen zu beantworten in der Forschung, es ist nicht ganz so einfach, weil man müsste Wissen, dazu wissen, welche Elemente der bebauten Umwelt führen zu mehr Einsamkeit.
00:31:30: Und jetzt vielleicht so ein hilfreiches Schema, um sich das ein bisschen konkreter vorzustellen, ist sich zu überlegen, wie die bebauten Umwelt die Menschen beeinflusst.
00:31:45: Also einerseits kann die Umwelt die Menschen beeinflussen in dem, was sie tun, so wie ich eine Straße Gestalte, so wird sie auch benutzt.
00:31:57: Wenn ich für Fußverkehr und Willows plane, dann wird sie auch von Fußverkehr und Willows benutzt.
00:32:05: Bauer ich eine Straße, wird sie von Autos benutzt.
00:32:07: Das ist ganz einfach.
00:32:09: Und schlussendlich muss man genau umgekehrt denken in der Stadtplanung nicht, oh ich hab Autos, ich muss Straßen bauen, sondern was will ich haben und das dann bauen.
00:32:21: Also nicht von der Bedarfseite ausdenken, sondern was man haben möchte.
00:32:27: Dann die Umwelt beeinflusst natürlich auch, wie Menschen sich fühlen.
00:32:32: Fühle ich mich sicher in dieser Straße?
00:32:35: Oder hat es keine Beleuchtung?
00:32:38: Und es hat keine komischen Ecken, wo man sich nicht so unsicher fühlt.
00:32:42: Oder ist es ein totales Neubaubquartier, das so total steril wirkt, weil alles noch so neu ist und es hat überhaupt keine Elemente, die an so was Kruse oder im dänischen würde man sagen Hügelig ist.
00:32:58: Genau da, wenn man die Leute fragt, wo fühlen sie sich wohl.
00:33:00: Es ist genau da, wo es ist so eine Partie, also was, das ist mit ein bisschen Geschichte.
00:33:11: Und dann das Letzte, was man sich auch noch gut überlegen kann, die bebauten Umwelt bestimmt auch welchen Einflüssen, das die Menschen ausgesetzt sind.
00:33:21: Also habe ich eine Schnellstraße, dann ist man an dieser Schnellstraße mehr Feinstaub ausgesetzt, mehr Hitze, weil grün fehlt und das Beeinfluss natürlich auch, wie wir uns fühlen.
00:33:35: Und ich finde, dass es so diese drei Aspekte der bebauten Umwelt, also einerseits das tun, das fühlen und was wir uns ausgesetzt sind, ist manchmal vielleicht ganz gut ein gutes Tool, um sich zu überlegen, was wollen wir eigentlich?
00:33:52: Und für mich persönlich wäre ein Startteil super, wenn es sehr viel Fußgängerzonen hätte, Fußgängerzonen und Fahrrad.
00:34:05: Autos stehen nicht auf der Straße, sondern sind in der Garage.
00:34:09: Autos sind auch total hässlich.
00:34:11: Es gibt auch schöne Autos.
00:34:13: Aber die meisten modernen Autos sind wir ehrlich, sind total hässlich.
00:34:17: Für den Allgemein Gebrauch.
00:34:21: Ja, rein ästhetisch.
00:34:23: Ah, nein, das sieht er mich total an.
00:34:25: Ich bin natürlich feierst, weil ich habe kein Auto und dann nerven mich sowieso alle Autos.
00:34:30: Ich erkenne an, dass es viele ... Situation gibt, in dem man auf ein Auto angewiesen ist.
00:34:36: Also ich will das nicht grundsätzlich schlecht reden.
00:34:39: Aber dennoch, gerade wenn wir in einem sehr dicht bebauten Ort leben, da hat es viele Menschen und da tut man sich besser daran, wenn man da mehr auf Fußgänger und Velo-Verkehr setzt.
00:34:57: Das geht schlussendlich allen besser.
00:35:00: Weil die Straße ist dann ruhiger, es ist auch sicherer für Kinder.
00:35:05: Es ist sicherer für alle, aber vor allem Kinder können dann wieder vor der Tür spielen.
00:35:12: Es gibt ja ein paar Spielstraßen in Basel und jedes Mal, wenn ich vorbeifahre, denke ich, da möchte ich leben.
00:35:19: Es gibt ein total anderes Gefühl, da hat es dann irgendwelche Blumenkästen noch, ein Ping-Pong-Tisch und da hat man auch Lust, sich aufzuhalten.
00:35:28: Wenn ich in einer normalen Quartiersstraße, da hat es so ein schmales Trotter, wo man kaum nebeneinander gehen kann und dann noch parkierte Autos und vielleicht eine Einbahn, da will ich nur entlang laufen und durchkommen.
00:35:41: Ich wollte gerade sagen in so Straßen, wo so öffentliches Leben stattfindet, sei es jetzt bei Kindern oder wenn man irgendwie in der Straße ist, wo viele Restaurants nebeneinander sind oder so.
00:35:52: Ich kann mir auch vorstellen, dass das eben auch ein Aspekt ist, wo ich mich dann weniger einsam fühle, wenn ich sozusagen am Leben von anderen Menschen sei es auch nur dadurch, dass wir gemeinsam die Straße teilen oder sowas teilhaben kann.
00:36:04: Genau.
00:36:05: Und da würde ich sagen, ja, das ist eine gute Einsamkeitsprävention.
00:36:10: Bin ich jetzt aber schon total einsam, kann mich das noch einsamer machen, weil ich dann ausgesetzt bin.
00:36:18: anderen Menschen, die diesen Ort nutzen, total happy sind, vielleicht mit Partner oder Familie oder einer Gruppe und ich habe das nicht.
00:36:28: Dann bin ich eigentlich mit meinem Alleinsein total konfrontiert.
00:36:33: Und darum ist auf der Frühling auch ganz, gibt es ja auch diese Frühlingsdepression.
00:36:38: Wenn alle dann rausströmen und dann plötzlich sieht man überall mehr Leben, aber man selbst hat das vielleicht irgendwie nicht.
00:36:47: Und das ist eben so ein zweischneidiges Schwert.
00:36:50: Und da finde ich, gibt es auch so eine neue Idee, dass man auch im öffentlichen Raum Raum für das Alleinseinschaft,
00:36:59: dass
00:36:59: man auch bewusst vielleicht anstatt Parkbänke, Parkstühle hat, wo es dann nicht auffällt, dass jemand nicht
00:37:09: da sitzt,
00:37:10: sondern die für die alleine Nutzung auch so gebaut sind.
00:37:19: Genau.
00:37:20: Und da tut sich auch noch ein bisschen was.
00:37:22: Da wissen wir auch noch nicht so viel Bescheid und überall gibt es immer Konsequenzen, die man irgendwie nicht mit bedacht hat oder die man dann erst erkennt bei der Implementation.
00:37:34: Aber ich finde es trotzdem auch eine spannende Entscheidung oder eine spannende Überlegung.
00:37:41: Ich erinnere mich gerade an Wien.
00:37:45: Da gibt es so einen Platz irgendwie auch an der Wien, an dem Flusslauf, an dem Kanal in der Nähe, wo du das gerade gesagt hast mit so Einzelstühlen, wo es dann zum Beispiel auch so Einzelliegen gibt, die irgendwie... Da sind dann mehrere Einzelliegen, aber es sind trotzdem Einzelliegen, wo man es denn hinlegen kann und dann irgendwie so sein Buch lesen kann und so.
00:38:05: Und dann sind da irgendwie drei auf der einen Seite und drei auf der anderen Seite irgendwie ein bisschen versetzt, aber trotzdem so, dass man das Gefühl hat, da sind Menschen alleine.
00:38:13: Aber trotzdem irgendwie dann auch nicht, weil es eben nicht nur eine Liege ist, sondern mehrere liegen.
00:38:18: Und man vermittelt so ein Gefühl von, man kann hier alleine lesen, aber man ist trotzdem nicht alleine, sondern in Gesellschaft von Menschen, die irgendwie mit sich selbst da sind.
00:38:30: Und ich finde es ja auch total schön, mal alleine zu sein, gerade auch im öffentlichen Raum.
00:38:35: Das hat, ja, man lernt auch oder ich habe dann über Zeit gelernt auch.
00:38:43: mit mir selbst irgendwie klarzukommen.
00:38:45: Das ist ja auch eine tolle Fähigkeit, die man irgendwie entwickeln kann.
00:38:51: Und das braucht immer sehr viel Mut auch.
00:38:54: Es braucht
00:38:54: vor allem Mut, wenn sonst nicht viele Personen alleine unterwegs sind.
00:39:01: Also es ist ja immer nur komisch, wenn es nicht der Norm entspricht.
00:39:05: Und wieso entspricht es nicht der Norm?
00:39:07: Vielleicht sind dann alle ... ja.
00:39:11: Wenn man alleine ist, will man vielleicht das nicht unbedingt machen.
00:39:14: Gerade auch zum Beispiel das Nachtessen.
00:39:18: Nachtessen gehen in ein Restaurant alleine.
00:39:22: Das habe ich jetzt ein paar Mal gemacht als Selbstexperiment.
00:39:25: Und es gibt so unterschiedliche Situationen, in denen ich mich wohl oder nicht wohl fühle, alleine Nachtessen zu gehen.
00:39:33: So am Morgen oder Mittag ist er meistens noch relativ okay.
00:39:36: Da ist der Sozialkodex.
00:39:39: Ja, wir sind alle irgendwie beschäftigt und alle müssen irgendwie essen.
00:39:44: Und das ist dann okay.
00:39:45: Man sieht auch sehr viele mehr Personen mittag alleine essen.
00:39:48: Aber am Abend,
00:39:50: das hat so
00:39:52: vielleicht in unseren Kulturkreisen eine sehr stark soziale Komponente.
00:39:57: Und wenn ich dann was alleine esse, dann mache ich es zu go.
00:40:01: Und dann kann ich daheim und dann kann ich noch meine Serie weiterschauen oder was auch immer.
00:40:06: Ja.
00:40:07: Ich habe mir das als ich in die Schweiz gezogen bin, ganz bewusst, da habe ich das quasi gemacht, wie du jetzt auch sagst, ganz bewusst, einfach abends alleine mit mir essen gegangen und auch dann bewusst versucht, mein Handy nicht permanent irgendwie rauszuholen, um zu versuchen, um quasi dieser genau unangenehmen Situation nicht aus dem Weg zu gehen, aber das Aushalten zu lernen, einfach aushalten zu lernen.
00:40:34: Ich bin jetzt heute Abend quasi mit mir alleine hier und muss jetzt nicht zwingend mit irgendwem per Handy in Kontakt treten, sondern halte aus, dass vermeintlich irgendwie komisch ist bzw.
00:40:49: dass ich... Letzten Endes weiß man es ja gar nicht, vielleicht aber auch komisch angeguckt werde, weil ich eben nicht den Abend mit anderen Menschen verbringe, sondern quasi den Abend einfach mit mir verbringe und alleine zum Nachtessen bin und alleine irgendwie mit mir essen gehe.
00:41:04: Und ich war sogar in einem sehr schicken Restaurant.
00:41:07: Das heißt, das war auch nicht so eine Nummer von der Stunde, das war sondern eher so eine Nummer von anderthalb bis zwei Stunden.
00:41:14: Wow.
00:41:15: Genau.
00:41:17: Also wirklich dann auch irgendwie mit mehreren Gängen.
00:41:21: Ja, und das ist schon, finde ich, auch spannend, sich selbst dabei zu beobachten, zu schauen, wie stark bin ich eigentlich jetzt mittlerweile darauf trainiert, dass das irgendwie sich komisch für mich anfühlt.
00:41:32: Und wie lang brauche ich auch... Ich finde, es hat auch was mit Bewusstsein zu tun, so ein Bewusstsein für meine Umgebung wieder zu haben, dass sich die Menschen um mich herum... viel bewusster und aktiver auch wahrnehme und so ein anderes Mindset habe, als wenn ich jetzt einfach mit einem Partner oder einem Freund oder einer Freundin essen bin und einfach nur bei dieser einen Person bin.
00:41:56: Und ich glaube, das ist genau das, was es so schwierig macht, dass er erhöhte Bewusstsein.
00:42:00: Das habe ich mir genau auch überlegt, denn wenn ich alleine unterwegs bin, dann bin ich so viel sensibler auf die Blicke der anderen.
00:42:09: gerade in einem Restaurant.
00:42:10: Und wenn ich jetzt nur schon mit jemand anderem unterwegs bin, dann bin ich so absorbiert in dieser Zweierkonsolation oder Gruppe, dann nehme ich das andere gar nicht wahr und dann kann ich mir gar keine Gedanken machen, was andere über mich denken.
00:42:24: Und es ist auch noch spannend, ich habe sehr viele Personen noch befragt, wie sie das alleine Essen in einem Restaurant empfinden und die Reaktionen reichen von, oh mein Gott, das kann ich mir überhaupt nicht vorstellen, zu Ja, natürlich mache ich das.
00:42:39: Wieso würde man das nicht machen?
00:42:41: Und ich verstehe gar nicht, wieso du dir so ein Kopf machst.
00:42:44: Und das war nicht total spannend.
00:42:47: Ja, da scheiden sich die Geister.
00:42:49: Aber das wäre vielleicht so eine spannende Übung.
00:42:53: Ja, können wir vielleicht im Schluss noch besprechen.
00:42:56: Ich wollte gerade sagen, da sind wir dann auch wieder bei der Scham und den unangenehmen Gefühlen, die eben dann nicht nur da sind, wenn ich zu Hause irgendwie alleine in meiner Wohnung sitze und irgendwie gerade ganz viel Traurigkeit und Einsamkeit habe, sondern vielleicht auch irgendwie... die Scham, die ich empfinde, wenn ich im öffentlichen Raum alleine bin, wenn ich beim Nachtessen alleine bin und das Gefühl habe, ich bin hier gerade die einzige Person, die alleine essen geht und alle anderen haben jemanden dabei.
00:43:21: Sie haben auch ganz viel was, was im Kopf abläuft und was vielleicht gar nicht so sein muss, was aber trotzdem irgendwie natürlich bei mir auf einer Gedanken oder vielleicht auch Gefühls-Ebene trotzdem sehr präsent sein kann.
00:43:36: Ja, absolut.
00:43:37: Wie war das für dich das erste Mal?
00:43:41: Magst du dich erinnern?
00:43:43: Ja, schon herausfordernd.
00:43:45: Also, ich bin tendenziell auch ein Mensch, der sich dann viele Gedanken darüber macht und viel beobachtet, ob die Menschen einen dann beobachten.
00:43:59: Ich achte dann auch mal ganz, wenn ich mir das aussuchen kann, darauf, wo ich mich hinsetze.
00:44:05: Also ich würde mich jetzt nicht alleine mitten ins Restaurant setzen, sondern ich versuche dann irgendwie eine Ecke zu finden oder eine Nische und wieder Thema Bewusstsein.
00:44:16: Ich komme dann, glaube ich, irgendwann so in den Beobachtungsmodus.
00:44:20: Also ich fange dann an, so einfach die Menschen um mich rum zu beobachten.
00:44:26: Und dann ist es für mich okay, wenn ich einfach so das Gefühl habe, hey, ich bin quasi hier am Rand.
00:44:32: und beobachte quasi wie so ein Ballett, an dem ich irgendwie auch teilnehme, weil ich esse ja auch, aber ich bin vielleicht einfach so eine Randfigur und beobachte quasi den Tisch mit der Familie oder das Liebespaar, was irgendwie da sitzt oder das Ehepaar, was Hochzeitstag feiert, wie auch immer.
00:44:50: Genau.
00:44:51: Und wenn ich mich da so rein denke, dann fühle ich mich auch wohler damit.
00:44:57: Wenn ich jetzt das Gefühl hätte, ich bin irgendwie auf dem Präsentierteller, sitzt irgendwie mitten im Restaurant.
00:45:04: Manchmal gibt es dann ja auch noch so Situationen, wo man dann, oder wenn man reinkommt ins Restaurant und sagt, ich möchte irgendwie nur ein Tisch für eine Person und dann wird das zweite Gedeck abgeräumt.
00:45:13: Oder der Kellner kommt und fragt, ob noch eine zweite Person kommt und man muss dann sagen, nein, ich bin alleine.
00:45:21: Und natürlich irgendwie ist es schön, wenn man selber denkt so, nee, ich kann das total gut sagen und gleichzeitig kommt es auch immer auf die eigene Verfassung gerade an, wo man, ob man das Gefühl hat, nee, jetzt ist es gerade total gut oder jetzt ist halt dieser Moment, wo ich denke, ja, fühlt sich halt irgendwie gerade nicht so gut an.
00:45:38: Der Unterschied ist ja auch ein bisschen, gehe ich bewusst, ich will mit mir alleine gehen oder gehe ich alleine, ich akzeptiere, dass ich alleine bin, aber eigentlich wäre ich lieber mit jemandem da.
00:45:50: Absolut.
00:45:50: Es sind auch so ein bisschen unterschiedliche Verfassungen.
00:45:56: Um das vielleicht auch wieder zur Einsamkeit die Brücke zu schlagen und vielleicht zur Umwelt und wie auch Räume gestaltet sind.
00:46:05: Ja.
00:46:05: Ich finde gerade im Restaurant, wenn es so ein paar Tische gibt, wo es klar ist, dass man da alleine sitzen kann, dann fühle ich mich da auch schon total wohl.
00:46:17: Es gibt ja oft irgendwie die am liebsten Sitze ich am Fenster, wo ich rausschauen kann.
00:46:23: Dann habe ich zwar den Rücken zum ganzen Restaurant, aber in dem Fall ist es okay, weil ich kann rausschauen.
00:46:29: Weil es die gleiche Situation einfach vor einer Wand finde ich das fürchterlich.
00:46:35: Ja und gleich wie du würde ich auch nicht in die Mitte sitzen, sondern eher am Rand.
00:46:40: Oder wenn so Träsen am Fenster sind, so dass man sich quasi auch Einzelperson an den Träsen am Fenster sitzen kann, dann kannst du auch zu zweit sitzen, aber du kannst auch ganz entspannt alleine sitzen und hast eben den Blick nach draußen und bist eben auch nicht so exponiert.
00:46:56: Das hat ja auch was, wir sind wieder bei der Scham bei dem sich exponieren mit dem Alleinsein oder mit der Einsamkeit.
00:47:05: Ja, das allein jetzt Nachtessen, da kenne ich schon lang drüber.
00:47:11: Ich bin total spannend, gerade weil es in mir total unterschiedliche Gefühle auslöst.
00:47:18: Von meiner wissenschaftlichen Neugier, wie das in die funktioniert und wie das Menschen wahrnehmen, aber dann auch ganz selbst als oft manchmal als total schöne Erfahrung.
00:47:30: Und manchmal einfach so ein bisschen unbequem und eigentlich würde ich da am liebsten gerade wieder raus, aber ich habe total Hunger und jetzt muss ich halt einfach irgendwie noch da sitzen und essen.
00:47:39: Ja.
00:47:41: Das ist auch ein Aspekt, den ich mir aufgeschrieben habe, so die Frage, ob das... Allein sein bestimmt aber auch, ob diese tiefen Einsamkeitsgefühle, ob das eben vielleicht auch einfach ein Stück weit zu unserer menschlichen Existenz dazugehört.
00:47:57: Also zu dem, was uns als Menschen ausmacht, diese Pendelbewegung von Beziehung in Beziehung sein, manchmal auch in ganz vielen Beziehungen sein, in ganz vielen Kontexten mit vielen Menschen umgeben sein, sei es in der Großfamilie, im Großraumbüro, im Arbeitskontext und Familie, in Kontext auf Konzerten, wo auch immer.
00:48:16: eben auch die Pendelbewegung zurück, also das Aushalten eben von beidem, von dem ganz viel und so und gleichzeitig auch das Aushalten können, dass es eben Phasen gibt, in denen es eben nicht ganz viel ist, sondern in denen ich eben alleine am Dresen im Restaurant sitze, mit dem Blick nach draußen, damit ich mich nicht so einsam fühle.
00:48:36: Ja, genau.
00:48:38: Ja und auch das allein sein können.
00:48:41: muss ja nicht immer gerade in Einsamkeit enden, wobei man alleine ist.
00:48:48: Ja, das ist doch auch eine Kunst.
00:48:50: Aber ich würde vielleicht sagen, in unserer vielleicht westlichen Gesellschaft ist es ja auch schön, dass man Raum hat, allein sein zu können.
00:49:04: Wenn wir gerade an Großfamilien denken und wenn ich denke, wie man früher gelebt hat, irgendwie zu fünf in einem Zimmer, da wäre man froh gewesen, hätte man ein bisschen Zeit für sich alleine gehabt.
00:49:15: Ja, und da machen wir auch als Späts ist eigentlich total spannende Entwicklung durch.
00:49:22: Und unser Hirn ist ja eigentlich noch, gibt es ja auch so eine Theorie, dass wir noch ein Steinzeit Hirn haben.
00:49:28: Darum finde ich auch Fettiges und Süßes so toll, weil dass irgendwie so schnelle Kalorien zuvor ist, aber eigentlich für das moderne Leben total nicht praktisch.
00:49:40: Ja, aber ich denke, grundsätzlich sind wir schon eines soziales Wesen, denn alleine in der Wildnis ist es sehr schwer zu überleben.
00:49:49: Ja.
00:49:50: Darum hat man ja oft in so den Naturverbänden, die sind ja auch, glaube ich, so fünfzig bis hundert Personen, meist.
00:49:57: Und dann ist der Ausschluss aus So einem verbunden.
00:50:02: Das ist total schmerzlich.
00:50:05: Ja, und auch sozial aus der Gruppe.
00:50:07: Ich glaube, darum ist auch das so schmerzhaft.
00:50:10: Gerade wenn man in einer Gruppe war, aber aus irgendeinem Grund, funktioniert es nicht mal so und dann fühlt sich dann ausgeschlossen.
00:50:18: Ich glaube, das geht total tief, weil früher hat das dein Tod bedeutet.
00:50:24: Und jetzt nicht mehr, aber vielleicht so... Ja, je nachdem, wo man ist, Sozialtod vielleicht.
00:50:31: Wenn man nur in einem kleinen Dorf ist und alle kennen, da gibt es vielleicht nur eine Gemeinschaft, wo man dazugehören kann.
00:50:38: Und wenn man da nicht mehr dazugehört, dann ist es vielleicht schwierig.
00:50:42: Ja, darum denke ich ist auch, es ist ein bisschen ein anderes Thema, dass in dörflicher Leben auch total anders, wie das städtische Leben, genau.
00:50:53: Wenn man ist ein Norm entspricht, ist es glaube ich, kann es sehr toll sein.
00:50:57: ländlich zu leben.
00:50:59: Man hat eine Gemeinschaft, man kennt sich, man schaut ein bisschen aufeinander, ist manchmal vielleicht ein bisschen mühsam, aber trotzdem, ich glaube, overall kann das eine sehr schöne Gemeinschaft sein.
00:51:12: Und andererseits, wenn man da nicht irgendwie einer Norm entspricht, kann das total einsam machen, wenn man nicht viel hat.
00:51:21: Und dann kann die Stadt tatsächlich frei machen.
00:51:24: Da gibt es ja auch so, den Spruch Stadtluft macht frei.
00:51:29: Es macht uns vielleicht öfters alleine und dann ist dann die Schwierigkeit nicht einsam zu werden.
00:51:38: Und es hat doch auch noch eine andere Dimension, einsam zu sein in einer Stadt umgeben von tausenden oder Millionen von Menschen, wie einfach nur in der Natur alleine zu sein.
00:51:51: Ich glaube, das hat auch noch so eine... Gibt es auch ein schönes Buch von Olivia Lane, The Learnly City, in dem sie das so ein bisschen versucht zu beschreiben.
00:52:01: Noch ganz schön.
00:52:03: Aber die Stadt kann dann auch natürlich ein Ort sein, in dem man Personen findet, die die gleichen Werte oder das Gleiche, was auch immer toll finden.
00:52:14: Man kann so seine kleine Gemeinschaft dann finden, die man vielleicht auf dem Dorf nicht gefunden hat.
00:52:21: Da würde ich auch nie sagen oder auch nie die Lebensweisen gegeneinander ausspielen.
00:52:27: Es kommt wirklich ein bisschen auf Persönlichkeiten drauf an und auch jedes Dorf hat einen eigenen Charakter.
00:52:36: Es gibt
00:52:36: Dörfer, die haben so ein richtiges Gemeinschaftsgefühl und andere Dörfer sind so ein bisschen Schlafdörfer, weil alle arbeiten dann irgendwo anders.
00:52:46: Es gibt nicht mal mehr ein Dorfcafé oder irgendwas zum Einkaufen.
00:52:51: Ja, das fühlt sich dann total anders an, dazu leben.
00:52:56: Insofern, ich habe dir ganz am Anfang die Frage gestellt, um so ein bisschen wieder aus Ende hinzukommen, ob wir an unserer Einsamkeit selbst schuld sind.
00:53:05: Und dem, was du gerade jetzt erzählt hast, habe ich nochmal so gedacht, dass es eben ganz viel auch mit dem Bewusstsein für die eigenen Bedürfnisse zusammenhängt.
00:53:14: Also insofern sind wir vielleicht zumindest ein Stück weit an unsere Einsamkeit selbst schuld, weil wenn ich weiß, eben zum Beispiel, ich bin alleinstehend und dann... Manchmal muss man ja auch herausfinden, was brauche ich eigentlich, um gut zu leben, um ein gutes Erfülltes zu leben haben.
00:53:30: Brauche ich eigentlich diesen festen Dorfkern, wo ich das Gefühl habe, ich bin ganz fest in der Gemeinschaft, ist dann das Dorf irgendwie für mich sinnvoller als in der Stadt, wo ich das Gefühl habe, hier sind ganz viele Menschen, aber irgendwie ist es mir viel schwieriger, da die richtigen Menschen für mich zu finden.
00:53:47: Oder ist es die Stadt oder ist der Stadtrand also auch nochmal das Bewusstsein für die eigenen Bedürfnisse zu schärfen?
00:53:53: um dementsprechend vielleicht auch ganz bewusste, räumliche Entscheidungen zu treffen, um dann zu sagen, hey, das ist die Form oder das ist der Raum, in dem ich leben will, damit ich mich in diesem Raum gut fühle und auch alleine nicht einsam werden kann.
00:54:11: Würde ich nur teilweise unterschreiten?
00:54:13: Insofern, weil nicht alle können entscheiden, wo sie leben.
00:54:17: Ja,
00:54:17: voll natürlich.
00:54:18: Und das ist natürlich genau, spielt auch auf diese soziale Ungleichheit, die auch in der, in Einsamkeitsvorkommen, sag ich jetzt mal, so ist.
00:54:29: Denn wir sehen häufig mehr Einsamkeit mit Personen mit weniger Einkommen, mit Migrationshintergrund und... Da gibt es auch ein paar andere persönliche Faktoren.
00:54:44: Alter kann natürlich ein Unterschied spielen, Ausbildung, Beziehungsstatus, denn kann man ein Stück weit beeinflussen, aber auch nicht wirklich.
00:54:54: Die Wohnsituation je nach Einkommen kann man das beeinflussen oder auch nicht.
00:54:59: Die eigene Gesundheit kann mich auch einsam machen.
00:55:03: Also ja, Bedürfnisse können helfen ein Stück weit.
00:55:10: Wenn ich aber meine Umstände nicht ändern kann, weil meine Ethnizität kann ich nicht ändern.
00:55:16: Und wenn ich jetzt einfach Rassismus erfahre, dann kann man das nicht wirklich wegdiskutieren.
00:55:21: Auf jeden Fall.
00:55:24: Dann ist es ein bisschen schwieriger.
00:55:27: Aber vielleicht für das, wenn es die Frage ist, was man selbst machen kann, ja, total.
00:55:36: Weil das kann ich ein Stück weit beeinflussen.
00:55:40: das Bewusstsein, was brauche ich und liegt es in meiner Macht, etwas zu verändern oder vielleicht finde ich ja irgendwo Hilfe oder Unterstützung oder so.
00:55:56: Genau.
00:55:56: Genau.
00:55:57: Also ich ergibt dir natürlich recht, es gibt bestimmte Faktoren, die einfach nicht zuträglich sind und die man nicht ändern kann.
00:56:05: Aber so dieses sich bewusst machen, was sind die Bereiche, in denen ich was ändern kann?
00:56:10: oder auf die ich Einfluss habe?
00:56:12: und wie kann ich mir bewusst machen, was mir gut tut und was für mich hilfreich ist.
00:56:21: Wir haben jetzt schon eine ganze Zeit lang geredet.
00:56:24: Ich frage zum Ende meine Gästinnen immer noch, ob sie irgendwie so einen ganz konkreten Hinweis oder eine ganz konkrete Hilfestellung oder eine Übung, was auch immer.
00:56:37: den Hörerinnen mitgeben wollen.
00:56:39: Das wäre quasi jetzt deine Zeit und deine Möglichkeit, was dir auf dem Herzen liegt oder was dir total wichtig ist oder eine Übung wie auch immer mit den Hörerinnen zu teilen.
00:56:54: würde ich vielleicht versuchen, also vielleicht mehr zwei Übungen, ein Ankerpunkt zu suchen, falls man nicht schon einen hat, entweder im Quartier, wo man wohnt oder vielleicht in der Nähe, wo man arbeitet, aber einfach ein Ort, an dem man regelmäßig hingeht.
00:57:20: Das kann auch ein Kaffee sein oder vielleicht einfach ein Park, denn ich denke, wenn man öfters am gleichen Ort ist, lernt man Personen an diesem Ort kennen.
00:57:30: Mit der Zeit erkennt man auch, ah, wer ist auch öfters hier.
00:57:35: Und so über Zeit kann man sich fast eine kleine Gemeinschaft erschaffen.
00:57:40: Das heißt nicht, dass man gerade mit allen befreundet ist.
00:57:43: Aber es gibt einem so ein kleines Gefühl der Zugehörigkeit.
00:57:48: Denn diese Personen, die auch immer an diesem Ort sind, die wohnen ja wahrscheinlich auch irgendwo im Quartier und dann sieht man sie vielleicht mal in der Mikro- oder im Coop und dann kann man so ein kleines Lächeln und nicken.
00:57:59: So, ach ja, die kenne ich ja von irgendwo.
00:58:02: Es muss ja auch nicht alles immer verbal passieren, aber so etwas kann einem helfen, die Person im eigenen Quartier ein bisschen besser zu kennen zu lernen, wenn man das möchte.
00:58:18: Und das andere wäre tatsächlich, Versuch mal auswärts essen zu gehen, wenn das im Rahmen deiner Möglichkeiten liegt.
00:58:30: Und mal selbst zu beobachten, wie fühle ich mich dabei?
00:58:34: Muss ich irgendwie ein Buch mitnehmen, um mich vielleicht beim ersten Mal ein bisschen ablenken zu können, damit ich da nicht zu fest in meinem Kopf bin?
00:58:44: Oder ich würde vorschlagen statt ein Buch, ein Notizblock.
00:58:48: Und einfach mal ein paar Notizen zu machen.
00:58:50: Was fällt mir auf?
00:58:52: Wer ist so hier?
00:58:54: Was sind das für Leute?
00:58:56: Ja, und da kann man eigentlich ganz lustige Selbstgedankenspiele machen und sich ausmalen.
00:59:01: Alle haben ja Geschichten und oft vergisst man ja, dass andere Personen auch ein komplexes Inleben haben mit seinem komplexen Leben.
00:59:09: Sonst noch, ja.
00:59:13: Ich finde das manchmal noch ganz schön, ja,
00:59:15: sich...
00:59:17: Versuchen oder wagen aus der eigenen Komfortzone vielleicht zu begeben.
00:59:25: Ich würde es nicht unbedingt gerade bungeejubben, das wäre total nicht meine Komfortzone.
00:59:32: Aber ja, so ein kleines Alltagsexperiment.
00:59:35: und ja, versuchen vielleicht Leute auf der Straße ein bisschen.
00:59:41: Muss ja nicht gerade grüßen, aber mal anzulächeln.
00:59:45: Finde ich schön.
00:59:46: Vielen, vielen Dank für die zwei kleinen Übungen.
00:59:49: Also, das mit dem Essen gehen kann ich auf jeden Fall auch nur unterstreichen, das mal auszuprobieren.
00:59:55: Wir sind am Ende.
00:59:55: Die letzte Frage an dich noch.
00:59:57: Wie geht es dir jetzt?
00:59:58: Wie fühlst du dich jetzt?
01:00:01: Ich bin eigentlich ganz zufrieden.
01:00:04: Man sieht es nicht im Audio, aber ich hatte ein großes Lächeln während unseres Gespräches eigentlich.
01:00:11: Das habe ich total animiert.
01:00:13: Jetzt kann ich doch noch ein bisschen was anderes arbeiten.
01:00:18: Also vielen Dank.
01:00:20: Ja, und das spielt genau so in diese Extrovertiertheit.
01:00:24: So Gespräche geben mir total viel.
01:00:27: Darum herzlichen Dank.
01:00:29: Ich danke dir, dass du dich bereit erklärt hast und mit mir gesprochen hast.
01:00:33: Hat mich sehr, sehr gefreut und ganz herzliche Grüße nach Dänemark.
01:00:38: Das ist so schön.
01:00:40: Vielen Dank für das Gespräch, liebe
01:00:41: Nina.
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